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Stellungnahme der SPD-Gemeinderatsfraktion zum kommunalen Haushalt 2026
Wiesenbach, 18.12.2025
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Grabenbauer,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung,
sehr geehrter Herr Kern von der Rhein-Neckar-Zeitung,
Gleich zu Beginn meiner Rede möchte ich der Kämmerei – insbesondere Frau Layer – für die Erarbeitung des Haushaltsplans danken. Die Aufstellung eines Haushalts ist stets mit hohem Zeitaufwand und großer Verantwortung verbunden. Gerade in der wirtschaftlich angespannten Lage der vergangenen Jahre ist dies eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Der Haushalt 2026 steht daher – wie schon in den Vorjahren – unter dem Eindruck weiterhin angespannter kommunaler Finanzen.
Haushaltsplan
Der Haushaltsentwurf 2026 zwingt uns erneut zu Ehrlichkeit – und zwar nicht nur gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch gegenüber uns selbst als Gemeinderat.
Das Defizit im Ergebnishaushalt sinkt von dem im Haushaltsplan 2025 veranschlagten Ansatz in Höhe von rund 820 Tausend Euro auf 412 Tausend Euro im Jahr 2026. Zusätzliche Schlüsselzuweisungen, eine geringere Kreisumlage sowie weitere Bundesmittel sorgen für eine rechnerische Entlastung. Auch die geplante Kreditaufnahme wird voraussichtlich nicht erforderlich sein. Das sind zunächst positive Signale. Sie dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, woher diese Entwicklung rührt – und welche Schlussfolgerungen daraus nicht gezogen werden dürfen.
Die aktuell bessere Einnahmeseite ist nicht Ergebnis einer dauerhaft stabilen kommunalen Finanzstruktur. Sie beruht vielmehr auf externen Entscheidungen von Bund und Land. Diese Effekte sind temporär. Sie stärken den Haushalt kurzfristig, aber sie lösen nicht das strukturelle Problem unserer Unterfinanzierung. Der Haushalt bleibt damit anfällig, und diese Anfälligkeit dürfen wir nicht übersehen.
Die Einnahmenseite der Gemeinde lässt sich nicht beliebig verbessern. Weitere Steuer- oder Gebührenerhöhungen würden unmittelbar und spürbar die Bürgerinnen und Bürger belasten. Gerade aus unserer sozialdemokratischen Sicht ist hier Zurückhaltung geboten. Der Zielkonflikt zwischen finanzieller Stabilisierung und sozialer Verantwortung bleibt also bestehen.
Auf der Ausgabenseite wird deutlich, wo ein weiteres großes Probleme liegt: Nicht die freiwilligen Leistungen treiben diesen Haushalt in die Schieflage - Nicht überzogene Investitionen oder ein vermeintlich ausufernder Konsum. Sondern stetig wachsende Pflichtaufgaben, die von Bund und Land auf die Kommunen verlagert werden:
Der Ausbau der Kinderbetreuung, besonders im Hinblick auf die Ganztagesbetreuung in der Grundschule, die im Wirtschaftsjahr 2026 voll zum Tragen kommt, die Umsetzung von Umwelt-, Klima- und Naturschutzvorgaben, Erhöhung bei Transferaufwendungen sowie ein höherer Personalbedarf aufgrund der zusätzlichen Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben binden zunehmend finanzielle Mittel. Das sind alles Aufgaben, zu denen wir stehen – sie lassen jedoch immer weniger Raum für politische Gestaltung.
Der Gemeinderat entscheidet zunehmend darüber, wo noch gekürzt werden kann, was noch geschoben werden sollte, und immer seltener darüber, wo sinnvoll investiert werden kann. Das ist eine Entwicklung, die uns Sorge bereiten muss.
Soziale Verantwortung trotz knapper Kassen
Der Haushaltsentwurf 2026 zeigt deutlich, wo der Gemeinderat eine seiner Prioritäten setzt: bei Bildung, Kinderbetreuung und sozialer Infrastruktur. Die SPD-Fraktion begrüßt ausdrücklich, dass grundlegende Angebote – wie bspw. der Schwimmunterricht für die Grundschule – auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen abgesichert werden.
Gleichzeitig müssen wir ehrlich bleiben: Diese Bereiche werden nicht weiterentwickelt, sondern auf dem aktuellen Niveau gerade noch gehalten. Steigende Kosten, insbesondere in der Kinderbetreuung, engen den finanziellen Spielraum der Gemeinde zunehmend ein. Bildung und Soziales stehen damit permanent unter Druck – obwohl sie das Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts bilden.
Uns als SPD-Fraktion ist bewusst, dass im Laufe des Wirtschaftsjahres 2026 die Gebühren für die Kinderbetreuung erneut auf der Tagesordnung stehen werden. Auch dann wird es wieder ein schwieriges Ringen geben: zwischen dem, was Eltern finanziell tragen können, und dem, was die kommunalen Finanzen dauerhaft verkraften. Und auch wenn wir hierzu seit Jahren eine klare Haltung und Meinung im Gemeinderat vertreten, werden wir, wie alle anderen hier im Gremium auch, diese Diskussion verantwortungsvoll, sozial ausgewogen und mit Augenmaß führen.
Klar ist für uns: Bildung und Kinderbetreuung sind keine beliebigen Ausgabenposten und die Kostenerhöhungen können nicht 1:1 auf die Familien abgewälzt werden. Kindergarten und Schule sind zentrale Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Wer hier spart, spart an der falschen Stelle – mit langfristigen Folgen für Chancengleichheit und sozialen Zusammenhalt.
Der Haushalt 2026 macht aber auch deutlich, dass diese Zielkonflikte nicht allein auf kommunaler Ebene lösbar sind. Wenn Bund und Land Aufgaben und Standards erhöhen, ohne die Finanzierung dauerhaft sicherzustellen, geraten Kommunen wie Wiesenbach immer wieder in dieselbe Situation. Wir als SPD-Fraktion haben somit auch eine klare Erwartung an die Kandidatinnen und Kandidaten, die sich im Frühjahr zur Wahl für den Landtag stellen: Bildung und soziale Infrastruktur müssen langfristig verlässlich finanziert werden – und dürfen nicht Jahr für Jahr neu zur Disposition stehen.
Klima- und Naturschutz – notwendig, aber begrenzt handlungsfähig
Aus Sicht der SPD sind Natur- und Klimaschutz keine freiwilligen Zusatzausgaben, sondern zentrale Zukunftsaufgaben – ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Investitionen in diesen Bereichen stärken Lebensqualität, erhöhen Resilienz und senken langfristig Folgekosten.
Der Haushalt 2026 zeigt jedoch deutlich, dass kommunaler Klima- und Naturschutz zunehmend von Fördermitteln abhängig ist. Ohne Unterstützung von Bund und Land sind viele Maßnahmen kaum umsetzbar. Die pauschalen Einsparungen im Bereich Naturschutz verdeutlichen den erheblichen finanziellen Druck und erschweren eine verlässliche, langfristige Planung.
Deshalb gilt auch hier: Ambitionierte Klimaziele von Bund und Land müssen mit einer verlässlichen Finanzierung unterlegt werden. Klimaschutz darf nicht an der kommunalen Kassenlage scheitern.
Investitionen in den Bauhof – Ja, aber mit Augenmaß
Mit der neuen Bauhofleitung, einer weitgehend neu aufgestellten Mannschaft sowie gezielten Investitionen in Ausstattung und Organisation sind bereits heute klare positive Entwicklungen erkennbar. Liegengebliebene Aufgaben werden systematisch aufgearbeitet, Abläufe professionalisiert, und auch aus der Bevölkerung kommen zunehmend positive Rückmeldungen. Das verdient Anerkennung – ausdrücklich auch für das engagierte Wirken der Beschäftigten im Bauhof.
Gerade weil diese Entwicklung erfreulich ist, möchten wir als SPD-Fraktion neben dem berechtigten Lob auch zur Maßhaltung aufrufen. Nach vielen Jahren des Stillstands besteht die Gefahr, nun zu viel auf einmal erreichen zu wollen. Wir halten es daher für geboten, mit Augenmaß vorzugehen. Aus unserer Sicht ist ein schrittweises Vorgehen der richtige Weg: Strukturen festigen, Erfahrungen sammeln, Prozesse evaluieren und anschließend gezielt nachsteuern – nachhaltig, tragfähig und mit Blick auf das Ganze, statt alles gleichzeitig umzusetzen.
Gleichzeitig bekennen wir uns klar und transparent zum geplanten Neubau des Bauhofs, der in der mittelfristigen Finanzplanung bereits vorgesehen ist. Dabei handelt es sich um eine erhebliche, aber sachlich begründete Investition in unsere kommunale Infrastruktur. Gerade deshalb ist es wichtig, dieses Projekt gut vorzubereiten, langfristig zu planen und auf eine verlässliche Finanzierung zu stützen – nicht unter Zeitdruck, sondern mit der notwendigen Sorgfalt und Planungssicherheit. Dabei könnte sich durch die Sonderinvestitionsmittel des Bundes aus dem Länder- und Kommunalinfrastrukturfinanzierungsgesetz (LuKIFG) eine neue Finanzierungsmöglichkeit ergeben. Wie von unserem Bürgermeister ausgeführt, kann die Gemeinde mit einem Gesamtvolumen von rund 2,1 Millionen Euro rechnen, das über mehrere Jahre für die Investitionen in unsere kommunale Infrastruktur zur Verfügung steht und gezielt für den Bauhofneubau eingesetzt werden könnte. Dies würde für Wiesenbach zu einer deutlichen Erleichterung im Investitionshaushalt führen.
Notwendige Investitionen, um Infrastruktur nutzbar zu halten
Die Sanierung der Biddersbachhalle ist als wichtige Maßnahme zum Erhalt unserer kommunalen Infrastruktur in der mittelfristigen Finanzplanung verankert. Die Halle ist ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Lebens in Wiesenbach und wird von Vereinen und für Veranstaltungen intensiv genutzt. Sie spielt auch eine wichtige Rolle im Katastrophenfall und kann zur Aufnahme und Versorgung evakuierter Bürgerinnen und Bürger genutzt werden. Wir sind verpflichtet bei der Sanierung auch diesen Aspekt im Blick zu haben und ein passendes Konzept für Wiesenbach zu durchdenken.
Schaut man sich den Haushaltsplan an, wird einem deutlich vor Augen geführt, dass notwendige Sanierungsmaßnahmen nur schrittweise und unter engen finanziellen Rahmenbedingungen angegangen werden können. Umfang und Zeitpunkt der Umsetzung hängen maßgeblich von der weiteren Haushaltsentwicklung sowie von möglichen Fördermitteln ab. Die Biddersbachhalle steht somit exemplarisch für den bestehenden Sanierungsbedarf bei unserern kommunalen Liegenschaften: Der Erhalt ist unumgänglich, belastet jedoch den Haushalt erheblich.
Ausblick und Fazit – Verantwortung heute und Klarheit für morgen
Der Blick über das Haushaltsjahr 2026 hinaus zeigt deutlich: Die kommenden Jahre werden für die Gemeinde Wiesenbach finanziell nicht einfacher. Die mittelfristige Finanzplanung macht klar, dass auch künftig keine strukturellen Haushaltsüberschüsse zu erwarten sind. Trotz steigender Erträge, insbesondere aus Zuweisungen, wachsen die Aufwendungen weiter – ein Haushaltsausgleich bleibt damit auf absehbare Zeit außer Reichweite.
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung bei den Rücklagen. Was in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut wurde, wird schrittweise aufgezehrt und schränkt künftige Handlungsspielräume zunehmend ein. Gleichzeitig stehen weiterhin wichtige Investitionen an. Programme wie die Sonderinvestitionsmittel des Bundes eröffnen zwar Chancen, sie ermöglichen jedoch keine dauerhaft tragfähige Finanzierungsgrundlage und keine klare kommunale Prioritätensetzung.
Der Haushalt 2026 ist vor diesem Hintergrund kein Haushalt des Gestaltens, sondern ein Haushalt des Abwägens und des Maßhaltens. Er zeigt, dass wir Gemeinderäte gemeinsam mit der Verwaltung verantwortungsvoll mit den vorhandenen Mitteln umgeht, aber auch, dass die kommunale Selbstverwaltung zunehmend an strukturelle Grenzen stößt.
Für die SPD-Fraktion ist klar: Unsere Zustimmung ist eine Zustimmung aus Verantwortung – nicht aus Zufriedenheit. Sie ist verbunden mit der Erwartung, dass Prioritäten weiterhin klar benannt, Zielkonflikte offen angesprochen und Bund sowie Land stärker in der Pflicht stehen.
Zum Abschluss danken wir allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich ehrenamtlich für den Zusammenhalt in unserer Gemeinde engagieren. Ebenso danken wir Herrn Bürgermeister Eric Grabenbauer und der gesamten Verwaltung für die konstruktive Zusammenarbeit.
Die SPD-Fraktion stimmt der Haushaltssatzung, dem Haushaltsplan 2026 sowie der mittelfristigen Finanzplanung zu.
Ulrich Buck und Martina Berger
für die SPD-Fraktion Wiesenbach
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Die Freitagspost: Frohes neues Jahr!
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Und es freut mich gleich für den Januar eine Einladung aussprechen zu dürfen, die so großartig zu diesem neuen Jahr passt: „Das Leben kommt von vorn.“ Unter dieser Überschrift findet der nächste Kurpfalz Horizont am Mittwoch, 21. Januar um 19 Uhr in der Kaffeebar der Rösterei Bonafede in Hockenheim statt.
02.01.2026 / Woche für Woche
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