Die Freitagspost: Ein schweres Weihnachten für uns alle

Woche für Woche

Dies ist ein schweres Weihnachten für uns alle. Die Freude über das Fest und das Zusammensein mit denen, die man liebt, auf der einen Seite – und auf der anderen Seite die Trauer über das grausame Attentat von Magdeburg und das Mitgefühl mit den Verletzten und den Angehörigen der Ermordeten. Wenn eine Vielzahl an Sorgen und widerstreitenden Gefühlen im Herzen sitzen, ist es manchmal gut, in den Blick zu nehmen, wie man von anderen gesehen wird. Mich hat ein Satz aus dem Leitartikel der „Presse“ aus Wien sehr beschäftigt. Dort hieß es: „Die deutsche Gesellschaft hat beeindruckend auf die blutige Weihnachtsmarkt-Tragödie in Magdeburg reagiert – mitfühlend und ohne voreilige Schlüsse zu ziehen. Den politischen Debatten ist diese Besonnenheit zuletzt leider fast vollständig abhanden gekommen.“

Ist das so? Gibt es in unserem Land eine Spaltung zwischen dem, wie wir als Zivilgesellschaft uns auch den schrecklichsten Herausforderungen dieser Zeit stellen und wie wir sie politisch verhandeln?

Der Kommentar spricht ja ausdrücklich nicht nur von den Politiker*innen – seien es haupt- oder ehrenamtliche – sondern von den politischen Debatten.

Was in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag an gesellschaftlichen Zusammenhalt gezeigt wurde, ist wirklich beeindruckend. Die Blutbanken verzeichnen eine Rekord-Spendenbereitschaft – auch von vielen Menschen, die zum ersten Mal gespendet haben. Die Taxi-Fahrer*innen in der Region boten den Angehörigen von Verletzten kostenlosen Transport zu den teilweise weit entfernten Krankenhäusern an. Und dann das Blumenmeer vor dem Magdeburger Dom mit den vielen tröstenden Briefen und Zeilen.

Es braucht daneben eine politische Aufarbeitung – denn es stellen sich Fragen. Warum war der Weihnachtsmarkt an einer Stelle nicht ausreichend abgesichert? Wie stoppen wir Radikalisierungen? Wie schützen wir uns besser vor Radikalen? Wie kann es sein, dass Soziale Medien uns als Konsument*innen bestens durchleuchten, aber offensichtlich bei den schrecklichsten Hass-Postings die Augen verschließen? Und das sind nur einige der Fragen, auf die wir Antworten in einer politischen Debatte finden müssen.

Dass wir diese Debatte führen müssen, haben wir uns nicht ausgesucht. Der Hass, die Gewaltbereitschaft und die Grausamkeit Einzelner zwingt uns dazu. Aber wie wir diese politische Debatte führen – das ist unsere Entscheidung. Darin sind wir frei. Niemand zwingt uns einen bestimmten Zungenschlag auf.

Es zerreißt unsere Land, wenn wir es weiter zulassen, dass die gesellschaftliche Mitte solidarisch und besonnen zivilcouragiert handelt – aber gleichzeitig die politische Debatte den Hitzköpfen und Verschwörungsideologen im Netz überlässt.

Die langjährige Schwetzinger Stadträtin Doris Glöckler hat mir nach meiner ersten Wahl in den Landtag eine Karte geschrieben mit einem afrikanischen Sprichwort: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Das ist so ein wertvoller Gedanke. Und er wird ja oft gelebt: In den Familien und Freundeskreisen, in Vereinen und Nachbarschaften, im Kollegenkreis und in der Stadtgesellschaft. Aber die politische Debatte gehört mit dazu.

Wenn wir als Gesellschaft eine Stärke haben zusammenzustehen und auch schrecklichste Ereignisse miteinander durchzustehen – besonnen, solidarisch und mitfühlend – dann sollten wir diese Stärken gerade auch für unsere politische Debatte nutzen.

Zur Wahrheit gehört: Es gibt Akteure, die diese Stärke nicht haben oder nicht haben wollen. Die nicht besonnen, solidarisch und mitfühlend sind. Sie beherrschen derzeit die politische Debatte an vielen Orten.

Zum Jahresende stellt sich darum noch eine Frage an jeden von uns: Warum lassen wir das zu?

Foto der Woche

Mein Patenkind Mona und ich, nachdem wir gemeinsam mit Monas Schwester erfolgreich ein Lebkuchenhäuschen gebastelt haben. Das Foto hat Anna Abraham gemacht. Die Fotos der Woche gibt es nur, weil immer jemand so aufmerksam ist und im richtigen Moment auf den Auslöser drückt. 52-mal gab es in diesem Jahr eine Freitagspost, 52-mal mit einem Foto der Woche. Auf diesem Wege ganz herzlichen Dank an alle, die mit ihrem Blick für den richtigen Augenblick mitgewirkt haben an einem erfolgreichen Freitagspost-Jahr.

 

Homepage Daniel Born MdL