Born: Politik darf einem Pandemie-bedingten Vereinssterben nicht einfach zusehen

Landespolitik

Auf einer Online-Veranstaltung der SPD Neulußheim sprach sich der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born mit Nachdruck dafür aus, dass man den Vereinen helfen müsse; die finanziellen Mittel müssten dann fließen, wenn die Vereine sie benötigen.

Neulußheim. Vergangene Woche war der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born virtuell zu Gast bei der SPD in Neulußheim, um über ein Thema zu sprechen, das in Corona-Zeiten einen sehr großen Teil der Bevölkerung betrifft. „Wie geht es weiter mit unseren Vereinen und welche Herausforderungen bringen Lockdown und soziale Distanz mit sich? Was kann die Landespolitik tun, um ein massenhaftes Vereinssterben in der Pandemie zu verhindern?“ setzte Born gleich zu Beginn die wesentlichen Akzente der folgenden, gut besuchten Diskussionsveranstaltung, die weit über die Grenzen Neulußheims hinaus auf reges Interesse stieß. Online anwesend waren diverse Vereinsvertreter aus dem Wahlkreis, darunter auch der Altlußheimer Bürgermeister Uwe Grempels und der in Schwetzingen lebende SPD-Ersatzkandidat für den Landtagswahlkreis Simon Abraham.

Born schilderte zunächst die aus seiner Sicht wichtige Funktion des Vereinslebens für das Gemeinwesen: „Ein Großteil unserer Bevölkerung ist Mitglied in mindestens einem Verein. Viele von uns engagieren sich sogar in mehreren Vereinen gleichzeitig und das macht sie auch zu Teilen einer ganz wichtigen Struktur in unserer Gesellschaft. Denn es geht nicht nur darum, ein gemeinsames Hobby auszuüben oder gemeinsame Interessen zu verfolgen. Vor allem stellen Vereine einen Lebensmittelpunkt dar, an dem Gemeinschaft und Zusammenhalt gelebt werden kann. Gerade jetzt im Lockdown bemerken wir, wie sehr uns diese Gemeinschaft und die zwischenmenschlichen Kontakte fehlen, weil das Vereinsleben momentan beinahe gänzlich zum Erliegen gekommen ist.“

Einer der Teilnehmer gab zu bedenken, dass für viele Menschen die Lage momentan finanziell angespannt sei, weswegen Vereinsmitgliedschaften gekündigt werden, um sich die Mitgliedsbeiträge sparen zu können, von denen man in diesem Moment nicht profitiert. Einerseits könne man diese Gedanken gut verstehen, andererseits lebten Vereine von und durch ihre Mitglieder und deshalb sei die Gefahr groß, dass nach dem Lockdown weder genügend engagierte Helfer noch hinreichend finanzielle Reserven zur Verfügung stünden. Die Ortsvereinsvorsitzende der Neulußheimer SPD Miriam Walkowiak sieht nicht nur die Problematik eines möglichen Mitgliederschwunds: „Gerade Vereine, die keine Möglichkeit haben, ein vernünftiges Hygienekonzept umzusetzen, was z.B. bei fast allen Kontaktsportarten der Fall ist, stehen vor einer ganz großen Herausforderung, weil ihnen gar nichts anderes übrigbleibt, als die Aktivitäten auf Eis zu legen. Viele Vereine sind während des Lockdowns kreativ geworden und haben Alternativen für ihre Mitglieder geschaffen. Leider ist das aber nicht in jedem Bereich möglich und das sorgt vor allem für Frustration, aber auch für finanzielle Probleme.“

Betroffene sehen vor allem die finanzielle Unterstützung durch das Land als nicht umfassend genug. Viele Vereine hätten zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen bereits in erheblichem Umfang Rücklagen auflösen müssen. In einigen Fällen seien über Jahre angesparte Reserven, die eigentlich für notwendige Ersatz- und Erweiterungs-Investitionen vorgesehen waren, bereits aufgebraucht, was wiederum einen erfolgreichen Neustart nach dem Lockdown erschwere. Diese Neustart-Phase sei aber wiederum besonders wichtig, da die Vereinsmitglieder und Aktiven eben gerade aus einer schwierigen Zeit des sozialen Abstands und der Isolation wieder zurück in ein normales Vereinsleben und eine dann hoffentlich immer noch funktionierende Gemeinschaft kommen wollten.

„Die Voraussetzungen, die Vereine erfüllen müssen, um eine finanzielle Unterstützung zu erhalten, können viele Vereine nicht erfüllen. Sie gehen dementsprechend leer aus. Das kann keine Lösung sein, um unsere Vereine zu retten. Die bereits erwähnten Austritte einiger Mitglieder verbessern diese Situation nicht. Ich habe mich selbst auch schon für einige Organisationen hier vor Ort eingesetzt, die unter teilweise völlig absurden Maßnahmen leiden. Die verfügen eigentlich über ein schlüssiges Hygienekonzept, um ihre sportlichen Aktivitäten anbieten zu können. Aber aufgrund teils nur schwer oder gar nicht nachvollziehbarer Sonderbedingungen in den Corona-Verordnungen dürfen sie ihre Aktivitäten dann doch wieder nicht anbieten. Wenn diese Vereine dann finanzielle Unterstützung beantragen müssen, stehen die entsprechenden Mittel eben nicht mehr für solche Vereine zur Verfügung, die aktuell überhaupt keine Möglichkeiten zu irgendwelchen Aktivitäten haben und deshalb eigentlich noch dringender auf Unterstützung angewiesen sind. Das können wir alle doch so nicht länger hinnehmen.“ zeigte Born viel Verständnis für die Sorgen und Nöte der anwesenden Vereinsvertreter.

Der Altlußheimer Bürgermeister Uwe Grempels blickte zum Ende hin zuversichtlich in die Zukunft: „Aktuell gibt es aus meiner Alltagserfahrung einen großen Wunsch nach zwischenmenschlicher Interaktion und zwischenmenschlichen Kontakten. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Menschen diesem Wunsch schon bald in den verschiedenen Vereinen wieder nachkommen können.“ Dem pflichtete Born bei: „Wir dürfen jetzt die Hoffnung nicht verlieren und müssen weiterkämpfen. Und das gilt sowohl für die gefährdeten Vereine, als auch für alle Politiker und Politikerinnen, denen das Schicksal unserer Vereine nicht egal ist und die sich für eine sachgerechtere Gestaltung der Verordnungen ebenso einsetzen müssen wie für die Bereitstellung der benötigten Finanzmittel, um ein Massensterben unserer Vereine zu verhindern!“

 

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