Die Freitagspost: Fröhliche Weihnachten!

Woche für Woche

In der heutigen Freitagspost schreibt Daniel über die Bedeutung von Weihnachten und über die Herausforderungen, vor die die Coronapandemie unsere Gesellschaft gestellt hat.

Fröhliche Weihnachten! Ich wünsche Euch und Euren Lieben schöne Feiertage und – weil dies bereits die letzte Freitagspost in diesem Jahr ist – auch einen guten Rutsch in ein hoffentlich gesundes 2021.

In meine Weihnachtskarten (Danke noch einmal, lieber Theo Stadtmüller, für das wundervolle Titelmotiv) habe ich ein Zitat von Rose Ausländer drucken lassen: „Vergesset nicht Freunde wir reisen gemeinsam.“

Kennt ihr das, wenn euch ein Satz oder ein Gedanke nicht aus dem Kopf geht und auf einmal hört ihr ein Lied oder lest was und denkt: ja, genau, das gehört als Gedanke dazu. Mir ging es vorgestern so.

In der Morgenandacht im Deutschlandfunk erklärte Evamaria Bohle ihre Gedanken zum diesjährigen Weihnachtsfest in der Krise mit dem Bild eines Reisebusses.

Als ich die Karten geschrieben habe, da habe ich bei der gemeinsamen Reise natürlich an die Gedacht, denen ich eine Karte schreibe. Die Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle, und tatsächlich unser Eintreten für Werte wie Fürsorge, Zusammenhalt und Teilhabe als gemeinsame Reise empfinde.

Wir „gönnen“ uns ja oft getrennte Busse. Ein Bus für die, die pro-europäisch denken, einer für die anderen. Ein Bus für die Rechten und einer für die Linken. Für die, die Wissenschaft akzeptieren und die, die ihre Antworten aus alternativen Fakten schöpfen. Ob wir uns als Demokratie überhaupt diesen Luxus gönnen können, kann man getrost bezweifeln. Aber in diesem Jahr war es schlichtweg nicht machbar. Weil uns diese Pandemie und ihre Folgen alle unmittelbar betroffen haben. In dem Pandemiebus saßen wir einfach alle drin.

Man hat gespürt, wie schwer es für diesen Bus ist, Kurs zu halten. Manchmal sogar, wie schwer es ist, den Kurs zu finden. Und auch, dass einem vielleicht der eine oder andere Passagier auf die Nerven geht. Aber es ist wie es ist: wir reisen gemeinsam!

Jetzt tröstet

Von Evamaria Bohle

„Grundsätzlich bemühe ich mich, ein aufgeschlossener Mensch zu sein. Aber es ist noch vor dem ersten Kaffee, als ich auf dem Weg in die Küche dem Verkündigungsengel begegne. Dem aus der Weihnachtsgeschichte. Im Flur posiert er vor meinem Garderobenspiegel, strahlt mich ungemein positiv an und sagt aufmunternd: „Freue dich! Und abermals sage ich: Freue dich!“

An ihm ist kein Vorbeikommen. Und ich ärgere mich. Nicht über Engel in meiner Wohnung. Nein, ich habe nichts gegen Engel. Sie sind ja nur eine weitere Facette von Diversität. Und viele von ihnen haben diese wirklich anregende Art, einen beiläufig auf neue Gedanken zu bringen. Engel sind cool. Aber dieser ist mir gerade entschieden zu aufdringlich.

Ich schlängele mich an ihm vorbei und ziehe mich in die Küche zurück. Tür zu! Mit seinem Imperativ komme ich nicht klar. „Du könntest natürlich auch einen Kuchen backen!“, höre ich noch. Wie bitte? - Mein Unterbewusstsein will nun auch etwas beitragen. Und dann schickt es mir von ganz tief unten ein sehr gestresstes Kind in den Kopf.

Ein Kind, dem im Bus immer schlecht wird. „Dauert nicht mehr lange“, sagen die Eltern. „Wir sind bald da! Freu dich schon mal.“ Aber dem Kind ist schlecht und „bald“ ist viel zu spät. Bald ist eine Ewigkeit. Bald tröstet nicht. Nie. „Jetzt“ tröstet.

Mir ist inzwischen auch schlecht. Ich sitze wie alle anderen im Pandemiebus 2020, und die Reise nimmt und nimmt kein Ende. Die Virologen machen ernste Gesichter. Der Winter wird hart, versprechen Angela, Jens und die anderen und verteilen FFP2-Masken. - Treffen sich eine Schauspielerin, ein Restaurantkritiker und ein Eventplaner, aber keiner lacht. Sie spielen „Mensch, ärgere dich nicht“. Rauswerfen ist Pflicht und lächeln geht nur mit den Augen. Das können längst nicht alle. Und der Bus rollt weiter.

Enkelkinder winken hinter Plexiglas und alle, alle waschen sich die Hände. Nur die Pflegekräfte suchen verzweifelt nach Handschuhen. Ihnen ist auch schlecht. Wir anderen zählen tapfer die Haushalte und nehmen uns selbst in den Arm. Natürlich mit Abstand. Wir bleiben zuhause. Der Pandemiebus fährt weiter, und niemand erreicht den Reiseveranstalter.

In den hinteren Reihen hocken sie wieder viel zu dicht aufeinander und malen irre Transparente: „Es gibt gar keinen Bus! Weitersagen.“ - „Sind wir bald da?“, fragt einer das Kind, und eine Pfarrerin summt: „Heile, heile Segen.“- „Bald ist wieder gut“, seufzen alle. Nur: Wann ist das, bald?

„Freut euch“, höre ich den Engel in meinem Flur. Er steht immer noch vor dem Spiegel und experimentiert mit dem Tonfall. Ich trinke noch einen Schluck Kaffee und lausche. Jetzt deklamiert er: „Siehe, ich verkündige euch große Freude.“ Und in meinem Pandemiebus schiebt versehentlich jemand das Weihnachtsoratorium in den CD-Spieler.

So viel Zeit verbringen wir mit Warten. Auf das Ende der Quarantäne, des Lockdowns, der Pandemie. Wir warten auf Besuch und dass die Tage wieder länger werden. Auf den Impfstoff, den Paketboten und das Wochenende. Irgendwo warten immer welche auf das Ende irgendeines Krieges oder auf einen Platz im Schlauchboot. Und wieder andere warten auf die ganz große Liebe. Und ich? Worauf warte ich?

„Fürchte dich nicht“, sagt der Engel leise. „Das Warten hat ein Ende. Jetzt ist der Tag des Heils.“ Er steht in der Küchentür und Gottes Glanz umleuchtet uns hell und warm. Aber ich fürchte mich trotzdem. „Das geht auch vorbei“, sagt der Engel. Dann ist er verschwunden. Der Glanz hält sich noch ein Weilchen in der Küche. Am Garderobenspiegel im Flur klebt ein Post-it: „Jetzt ist der Tag des Heils.“ ‚Jetzt‘ ist unterstrichen. Ich sollte wirklich einen Kuchen backen. Jetzt.

Foto der Woche: Natürlich diese Woche das Plätzchenbacken-Foto bei Anna, Simon und Lina. Die Schwetzinger Zeitung hatte ja einen ganz großen Bericht darüber. Und die Plätzchen sind auch einfach lecker. Das Rezept gibt es übrigens in dem kleinen Kochheft „Gute Rezepte für 2021“. Eine kulinarische Reise durch unseren Wahlkreis! In allen zehn Kommunen hatte ich mich mit Freunden verabredet, um leckere Rezeptideen zu sammeln. Wer das Heft gerne möchte, kann sich einfach im Wahlkreisbüro melden.

 

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